Monat: Juni 2014

Unnötiges Risiko: „Ich würde Deos ohne Aluminium empfehlen“

Das nachfolgende Interview wurde am 19.03.2014 im Spiegel Online veröffentlicht:
ZUR PERSON
Detlef Wölfle ist Toxikologe an der Abteilung für Produkt- und Chemikaliensicherheit und stellvertretender Leiter der Fachgruppe Toxikologie am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

SPIEGEL ONLINE: Herr Wölfle, letztes Jahr sorgte der Film „Die Akte Aluminium“ für viel Verunsicherung unter Verbrauchern. Aluminiumhaltige Deosprays wurden darin unter Verdacht gestellt, das Risiko für Brustkrebs zu erhöhen. Ist da was dran?

Wölfle: Die Studienlage ist widersprüchlich. In verschiedenen Studien an Brustkrebspatienten wurden die Aluminiumgehalte im Brustgewebe untersucht und gesundes mit krankem Gewebe verglichen. In manchen dieser Studien gab es Hinweise auf einen Zusammenhang, in anderen nicht. Auf dieser Basis kann man derzeit nicht beurteilen, ob aluminiumhaltige Deos das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Wir brauchen mehr Forschung zu dem Thema.SPIEGEL ONLINE: Nichtsdestotrotz hat das BfR kürzlich in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die tolerierbare Aufnahmemenge wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft sei. Mit anderen Worten: Durch den Gebrauch von aluminiumhaltigen Deos liegt man über den empfohlenen Grenzwerten.Wölfle: So ist es. Wir nehmen Aluminium aus verschiedenen Quellen auf: Es steckt natürlicherweise in Lebensmitteln, beispielsweise in Tee, Kakao, Schokolade, Salat und Gemüsen. Dann wird es auch noch als Lebensmittelzusatzstoff von der Industrie verwendet, beispielsweise als Farbstoff für Überzüge von Zuckerwaren, für die Dekoration von Kuchen und feinen Backwaren. Es kann auch von Alu-Töpfen oder Alufolie auf die Nahrung übergehen. Und es ist eben auch in Deos enthalten. In der Summe ist zu befürchten, dass der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa gesetzte Grenzwert für die maximal tolerable wöchentliche Aufnahme zumindest teilweise überschritten wird. Also muss man nach Möglichkeiten suchen, wie man die Aluminium-Exposition reduziert. Der Verbraucher kann dazu beitragen, indem er einfach auf manche Sachen achtet.

SPIEGEL ONLINE: Da liegt es natürlich nahe, erst einmal eher verzichtbare Quellen wie Deos zu meiden, als die Ernährung umzustellen.

Wölfle: Genau. Schauen Sie auf das Inhaltsverzeichnis und benutzen Sie aluminiumhaltige Deos nicht so häufig oder verzichten Sie ganz darauf – vor allem nach der Rasur. Wir wissen, dass über die geschädigte Haut viel mehr Aluminium aufgenommen wird.

SPIEGEL ONLINE: Um wie viel mehr?

Wölfle: Das kann man nicht so genau sagen. Man muss auch berücksichtigen, dass die Verletzungen individuell ausgeprägt sein können. Es gibt unterschiedliche Ergebnisse dazu, auch dazu müssen wir noch mehr forschen. Aber auch bei der Ernährung können Sie darauf achten. Beispielsweise, indem Sie saure oder salzhaltige Lebensmittel nicht lange in Alutöpfen oder Alufolie aufbewahren. Wenn Sie unverarbeitete Lebensmittel konsumieren, minimiert das die Chance, aluminiumhaltige Zusatzstoffe zu verzehren.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt sogenannte Bergkristall-Deos. Das klingt erst einmal ganz natürlich und harmlos, sie bestehen aber aus Alaun, was nichts anderes ist als ein reiner Aluminiumsalzkristall.

Wölfle: Nach Informationen des BfR enthalten Deos typischerweise Aluminiumchlorohydrat in einer Konzentration von circa 20 Prozent – was einem Aluminium-Anteil von etwa fünf Prozent entspricht. Zur Exposition über die Verwendung eines Bergkristalls liegen dem BfR keine Daten vor. Ich würde empfehlen, Deos ohne Aluminium zu verwenden.

SPIEGEL ONLINE: Aluminiumfluorid steckt auch in Zahnpasta . Damit sollte man sicher auch vorsichtig sein. Über Zahnfleischwunden würde ja auch Aluminium leichter in den Körper gelangen.

Wölfle: Ja, zudem hat man hier eine orale Aufnahme. Wie hoch sie ist, dazu haben wir keine Daten vorliegen. Nach den Schätzungen des BfR würde aber über das Verschlucken von Zahnpasta wesentlich weniger Aluminium aufgenommen werden als über Antitranspirantien.SPIEGEL ONLINE: Sie sprachen ja bereits an, dass man keine salzigen oder säurehaltigen Lebensmittel in Alufolie aufbewahren sollte. Da hat man natürlich sofort ein mariniertes Steak vor Augen. Einerseits wird empfohlen, nicht ohne Alufolie zu grillen, andererseits soll man nun bei Alufolie vorsichtig sein.

Wölfle: Sie grillen ja nicht täglich, sondern nur ein paar Mal im Jahr, insofern hält sich die Aluminiumbelastung über Alufolie in Grenzen. Bei den TWI-Werten geht es aber um regelmäßige Aufnahmen kleiner Summen über die gesamte Lebenszeit hinweg. Da haben Deos eben eine andere Qualität, weil man sie täglich und lebenslang anwendet.

ALUMINIUM – DIE WICHTIGSTEN FAKTEN
Was ist Aluminium?

Aluminium ist ein Leichtmetall und kommt natürlicherweise auf der Erde vor. Wir nehmen es hauptsächlich über Lebensmittel und Trinkwasser auf, aber auch über aluminiumhaltige Verbraucherprodukte wie Geschirr oder Lebensmittelverpackungen.

Es steckt auch in kosmetischen Produkten, vor allem in aluminiumhaltigen Deos. In hohen Dosen ist Aluminium ein Nervengift. Aluminium wird normalerweise über die Nieren ausgeschieden, reichert sich im Laufe des Lebens aber im Körper an, vor allem in der Lunge und dem Skelettsystem.

Welche Mengen sind unbedenklich?
In welchen Lebensmitteln darf es als Zusatzstoff verwendet werden?
Was ist mit Getränkedosen oder Tetrapaks?
Warum ist in Deos oft Aluminium enthalten?
Sind Kristall-Deos oder Alaunsteine aluminiumfrei?
Erhöht Aluminium das Risiko für Alzheimer oder Brustkrebs?
Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich treffen?

Das Interview führte Jens Lubbadeh

Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aluminium-in-deos-experte-empfiehlt-aluminiumfreie-produkte-a-959229.html

Österreichischer Gesundheitsminister Stöger empfiehlt: Kontakt mit Aluminium vermeiden!

Gesundheitsminister Alois Stöger / Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Gesundheitsminister Alois Stöger / Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Zwar kann die Gesundheitsgefährdung von Aluminium derzeit weder bestätigt noch widerlegt werden, es ist allerdings ratsam, vorsorglich auf Produkte zu verzichten, die Aluminium enthalten. Sagt Gesundheitsminister Alois Stöger.

Wien. Das Gesundheitsministerium hat am Mittwoch auf seiner Webseite (www.bmg.gv.at) eine Studie der wissenschaftlichen Literatur zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Aluminium veröffentlicht. Vorsorglich solle man Kontakt möglichst reduzieren, hieß es in einer Aussendung von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

Die Literaturstudie trägt den Titel „Aluminium-Toxikologie und gesundheitliche Aspekte körpernaher Anwendungen“ und fasse den aktuellen Wissensstand in Bezug auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Aluminium und seinen Verbindungen in verbrauchernahen Produkten zusammen, hieß es. Stöger empfehle den Verbrauchern eine Reduktion aluminiumhaltiger Produkte. „Zwar kann die Gesundheitsgefährdung derzeit weder bestätigt noch widerlegt werden, es ist allerdings ratsam, vorsorglich auf Produkte zu verzichten, die Aluminium enthalten.“

Im Vorfeld der Veröffentlichung hätte das Gesundheitsministerium Wissenschafter der MedUni Wien sowie Fachleute der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und des Deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu einer Expertenkonsultation eingeladen. Diese hätten übereingestimmt, dass die Literaturstudie die momentane Datenlage über Aluminium objektiv und richtig wiedergebe.

Das Fazit der Studie besagt zwar, dass die gegen Aluminium zahlreich bestehenden Verdachtsmomente derzeit auf wissenschaftlicher Basis weder erhärtet noch widerlegt werden können. Ein präventiver Verzicht wird jedoch empfohlen, da die Langzeiteffekte bisher nicht erfasst werden konnten. Derzeit kommt der Gebrauch von Aluminium in Lebensmitteln, Kosmetika, Lebensmittelkontaktmaterialien und rezeptfreien Antazida (Arzneimittel zur Reduktion von Magensäure) vor.

Die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums:

– Verwenden Sie keine unbeschichteten Gefäße aus Aluminium und keine Alufolie zum Zubereiten und Aufbewahren von stark säurehaltigen Lebensmitteln (wie z. B. Tomatensauce, Rhabarberkompott, Apfelmus, etc.).

– Achten Sie bei Trinkflaschen aus Aluminium darauf, die Innenbeschichtung nicht zu beschädigen. Sollte die Innenbeschichtung Beschädigungen, wie z.B. Kratzer oder Dellen, aufweisen, verwenden Sie die Flasche nicht weiter.

– Verwenden Sie nach Möglichkeit aluminiumfreie Deodorants. Deodorants und Antitranspirantien mit aluminiumhaltigen Inhaltsstoffen sollten nicht auf verletzter bzw. gereizter Haut oder unmittelbar nach einer Rasur aufgebracht werden. Kinder sollten keine aluminiumhaltigen Deodorants oder Antitranspirantien verwenden.

– Fragen Sie Ihre Ärzte oder Apotheker bei Bedarf nach Alternativen zu aluminiumhaltigen Antazida.

– Lesen Sie diese Seite und finden Sie hier Ihre Produkte.

Quelle: http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/oesterreich/3819393/Gesundheitsminister-empfiehlt_Kontakt-mit-Aluminium-vorsorglich